Grüne besuchten Behindertenhilfe Bergstraße

Am vergangenen Dienstag hat eine Delegation der Grünen Liste Bensheim den Auerbacher Standort der Behindertenhilfe Bergstraße (bhb) besucht, um sich über die aktuellen Entwicklungen und Neuerungen in der Arbeit vor Ort zu informieren. Geschäftsführer Christian Dreiss führte die Gruppe durch die Räume der Tagesförderstätte, die Werkstätten und die Büros in der Darmstädter Straße 150.

Die Besonderheit des Standortes in Auerbach ist gleichzeitig ein Alleinstellungsmerkmal, das sich in der umliegenden Region nicht findet: Das vielseitig genutzte Gelände liegt mitten in einem Wohngebiet und ist mit der Struktur des Viertels gewachsen. Nirgendwo lässt sich Inklusion durch Begegnung so ideal darstellen. Menschen mit Beeinträchtigung sind in den umliegenden Geschäften und dem Auerbacher Zentrum ständig präsent. Für die Stadtgesellschaft gibt es geringere Hürden im gleichberechtigten Umgang als an anderen Orten unserer Stadt, weiß Dreiss zu berichten.

Der GLB-Stadtverordnete Moritz Müller aus Auerbach weiß von den Vorteilen: „Wir Grüne sind sehr glücklich mit dem Standort inmitten des Wohngebiets in Auerbach und wollen ihn für die Zukunft weiter stärken. Die Kombination aus Arbeitsplätzen, Wohnraum und Begegnungsstätte für alle Menschen ist das Idealbeispiel für funktionierende Inklusion.“

Seit rund zehn Jahren betreibt die bhb das neue Gebäude auf der Nordseite des Grundstücks, in dem bis zu 32 Personen in der Tagesförderstätte betreut werden können. Vier Gruppen zu je acht Personen haben große, lichtdurchflutete Räume und Terrassen zur Verfügung, um Menschen mit schwerst-mehrfach Beeinträchtigung eine Beschäftigung und Begegnung abseits ihres familiären Umfelds zu ermöglichen.

bhb leidet unter Fachkräftemangel und Wohnungsknappheit

„Zentral für eine gerechte Betreuung ist ein ausreichender Personalschlüssel, den die bhb mit zahlreichen Fachkräften und jährlich über 50 Jugendlichen im Freiwilligen Sozialen Jahr abdecken kann. Der Fachkräftemangel in der Region trifft aber auch diese Einrichtung. Umso wichtiger ist aus unserer Sicht die Beteiligung junger Menschen, die Gefallen an der Arbeit finden und nach dem FSJ oder einem Praktikum oftmals in der Branche tätig werden“, kommentiert Fraktionsvorsitzende Doris Sterzelmaier.

Mehr als die Hälfte der Klienten der Tagesförderstätte lebt noch im familiären Umfeld, was auch auf die Wohnungsknappheit in Bensheim und Umgebung zurückzuführen ist. Während der Bergsträßer Wohnungsmarkt bekanntermaßen für höhere und mittlere Einkommen so gut wie kein Angebot bereit hält, sieht es mit der Verfügbarkeit von barrierefreien und preisgünstigen Wohnungen für Menschen mit Behinderung noch schlechter aus.

Die bhb unterhält an ihren drei Standorten in Bensheim-Auerbach, Lorsch und Fürth bereits einige Wohnprojekte, die den steigenden Bedarf jedoch nicht mehr decken können. Deswegen sind zurzeit mehrere Bauvorhaben geplant, um die jeweiligen Standorte zu entlasten. Auch in Auerbach hat die bhb bereits vor zwei Jahren das letzte freie Grundstück auf der Südseite erworben und möchte die Fläche zum Bau weiterer Tagesförderstättenplätze nutzen.

Einer der größten Arbeitgeber der Region

Die Werkstätten am Standort Auerbach bieten den Beschäftigten unterschiedliche Arbeitsbereiche, von denen die Schlosserei und die Schreinerei zu den wirtschaftsstärksten Abteilungen zählen. Montage, Elektromontage, das Bearbeiten von Mailings, Küche und Landschaftspflege ergänzen das umfassende Angebot der Werkstätten. Gemeinsam mit der Wäscherei in Lorsch zählt die bhb kreisweit zu den fünf größten Arbeitgebern, die aktuelle Zählung läuft zurzeit wieder. Bei den Aufträgen gibt es einen harten Wettbewerb und die Erwartungen der Kunden an die Produkte entsprechen denen in der freien Wirtschaft.

Zu guter Letzt besichtigten die Grünen die Räume des Kunstprojekts, welches der bhb zu überregionaler Bekanntheit verholfen hat. Bundesweit sind die Werke von Jürgen Klaban und seinen Kolleginnen und Kollegen bekannt, ausdrucksstarke Gemälde hängen in unzähligen öffentlichen Einrichtungen und sind Botschafter der inklusiven Gesellschaft. Die Preise sind bewusst so gehalten, dass die Kunst für alle gesellschaftlichen Schichten erschwinglich ist. „Um die Inklusive auch gesamtgesellschaftlich voranzutreiben, ist neben einem durchmischten Wohnen die Akzeptanz in anderen Bereichen kontinuierlich durchzusetzen“, merkt GLB-Stadtrat Peter E. Kalb zum Schluss der Pressemitteilung an.

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